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Prof. Schreiner erhält Preis der Royal Society of Chemistry

Der Chemiker der Justus-Liebig-Universität Gießen wird die Auszeichnung in London entgegennehmen



Gießen – Prof. Dr. Peter R. Schreiner von der JLU-Gießen ist der erste nicht-angelsächsische Chemiker, der den international bedeutenden Preis für Physikalisch-Organische Chemie verliehen bekommt. 

 

„Für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Etablierung der Tunnelkontrolle chemischer Reaktionen als drittes Paradigma der chemischen Reaktivität“ erhält Prof. Dr. Peter R. Schreiner, PhD der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) als erster nicht-angelsächsischer Chemiker den international renommierten Preis für Physikalisch-Organische Chemie der Royal Society of Chemistry für 2019/20 – eine besondere Auszeichnung, die seit dem Jahr 1974 im zweijährigen Turnus verliehen wird. Der bereits mehrfach ausgezeichnete Chemiker und Leiter des Instituts für Organische Chemie der JLU wird den mit rund 2.500 Euro dotierten Preis sowie eine Medaille in London entgegennehmen. Mit der Preisvergabe ist zudem die Ehre verbunden, zwischen September 2019 und Mai 2020 an ausgewählten Universitäten in Großbritannien und Irland Vorlesungen zu halten.

 

Die Royal Society of Chemistry hebt in ihrem Nominierungsschreiben hervor, dass Prof. Schreiner sich im Rahmen seiner erfolgreichen Forschungsarbeiten innerhalb kurzer Zeit als führender Wissenschaftler „mit einer klaren Vision zur Entwicklung neuer Bereiche der organischen Chemie, mit besonderem Fokus auf der physikalisch-organischen Chemie“ empfohlen habe. Auf dem Gebiet der Organokatalyse habe Schreiner bereits im Jahr 1998 als einer der ersten das Potenzial von Thioharnstoffen erkannt: „Sein wegweisendes Werk hat Chemiker weltweit inspiriert.“ Variationen des „Schreiner-Thioharnstoff-Katalysators“ würden heutzutage in der Breite eingesetzt. Er kombiniere organische Methoden, Theorie und Experiment, um neue Sichtweisen auf zu gewinnen.

 

Gewürdigt werden mit der hohen Auszeichnung Schreiners über 350 Publikationen in renommierten internationalen Fachzeitschriften (u.a. in „Science“ und „Nature“) sowie seine grundlegenden Arbeiten an Diamantoiden-Kohlenwasserstoffen zur Entwicklung neuer Materialien auf der Basis funktionalisierter Nanodiamanten. Wörtlich heißt es: „Studien haben ihn zum einzigen Weltmarktführer im Bereich der Nanodiamanten gemacht.“ Seine Forschungen lieferten grundlegende Einblicke in chemische Phänomene wie beispielsweise die überragende Bedeutung von Dispersionskräften.

 

JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee gratuliert Prof. Schreiner herzlich zu dieser herausragenden Auszeichnung: „Gießen kann bekanntlich als eine der Geburtsstätten der modernen organischen Chemie und der Lebenswissenschaften bezeichnet werden. Umso mehr freue ich mich, das vom Fachgebiet Chemie der JLU auch heute zahlreiche wissenschaftliche Impulse ausgehen. Prof. Schreiner trägt mit seiner herausragenden fachlichen Expertise in der Organischen Chemie und seinen national wie international vielbeachteten Publikationen dazu bei, den hervorragenden Ruf der Gießener Chemie zu stärken, was zahlreiche Preise und Auszeichnungen belegen. Für dieses besondere Engagement bin ich Prof. Schreiner sehr dankbar.“

 

Prof. Schreiner dankt der Royal Society of Chemistry für diese hohe Auszeichnung, die ihn zugleich überrascht und überwältigt habe. Er dankt in diesem Zusammenhang zugleich den zahlreichen Fachkolleginnen und -kollegen – auch in Großbritannien und Irland – für die hervorragende Zusammenarbeit, die diese wissenschaftlichen Erfolge erst möglich gemacht hätten. Und er ergänzt: „Ich nehme diese Ehre als Motivation, unsere wissenschaftlichen Abenteuer in der physikalisch-organischen Chemie fortzusetzen und die hervorragenden internationalen Beziehungen noch weiter auszubauen.“

 

„Tunneling Control“

 

Um seine grundlegenden Forschungsarbeiten am Institut für Organische Chemie auch für Laien besser verständlich zu machen, wählt Prof. Schreiner eine Metapher: „Wir können uns chemische Reaktionen wie eine Wanderung durch die Alpen vorstellen: Nach der Anfahrt sind Sie vielleicht etwas erschöpft mit wenig Energie und wollen sich einfach nur die Beine vertreten, indem Sie eine kurze Wanderung über einen kleinen Hügel unternehmen. In den nächsten Tagen möchten Sie mit regenerierten Kraftreserven auch die höheren Gipfel erklimmen.“ Dies sei vergleichbar mit der klassischen kinetischen (schnellen und einfachen Route) und der thermodynamischen (energetisch anspruchsvollen) Kontrolle chemischer Reaktionen, bei denen sich Moleküle ganz so verhalten, als wären sie in einer Landschaft von Energiebergen umgeben. „Wir hatten das Glück zu entdecken, dass auch die Natur Tunnel durch die Berge nutzt, so dass alles, was sich über dem Tunnel befindet, eine geringere Rolle spielt und man somit – scheinbar mühelos – auf die andere Seite gelangen kann. Diese zuvor unentdeckten und ermutigenden Pfade in der Chemie bezeichnen wir als ,Tunneling Control‘. Wir konnten dabei zeigen, dass diese ,Tunnel‘ eine wichtige Rolle zum Verständnis und beim Design chemischer Reaktionen spielen können.“

 

Prof. Schreiner forscht im Bereich der metallfreien Katalyse, der Nanodiamanten und des quantenmechanischen Tunnelns zur Entwicklung und Verbesserung nachhaltiger chemischer Methoden. Er ist Mitglied der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, erhielt mehrere Wissenschaftspreise, darunter die Adolf-von-Baeyer Denkmünze der Gesellschaft Deutscher Chemiker 2017 und die Dirac-Medaille im Jahr 2003. Der in Nürnberg geborene Wissenschaftler wurde nach dem Chemiestudium an der Universität Erlangen-Nürnberg und in den USA sowohl in organischer Chemie (Erlangen, Dr. rer. nat.) als auch in theoretischer Chemie promoviert (Computational Chemistry, USA, University of Georgia, Athens, Doctor of Philosophy).

 

Quelle: 

 

Pressemitteilung der JLU-Gießen

 




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