Tarek Al-Wazir: "Wir produzieren unseren Strom immer nachhaltiger"

Wind, Sonne und andere erneuerbare Energiequellen tragen mehr als die Hälfte zur hessischen Stromerzeugung bei. Im Jahr 2020 lag ihr Anteil bei 56 Prozent und damit zum zweiten Mal bei mehr als der Hälfte, wie aus dem neuen Energiemonitoringbericht hervorgeht.

Solarzellen auf einer grünen Wiese
© Christof Mattes, Hessen Agentur

Wind, Sonne und andere erneuerbare Energiequellen tragen mehr als die Hälfte zur hessischen Stromerzeugung bei. Im Jahr 2020 lag ihr Anteil an der Bruttoproduktion bei 56 Prozent und damit zum zweiten Mal bei mehr als der Hälfte, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Energiemonitoringbericht der Landesregierung für das Jahr 2020 hervorgeht. „Das ist eine Verdoppelung seit Ende 2012 und zeigt, dass Hessen bei der Energiewende auf Kurs ist“, sagte Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir. „Parallel dazu ist der Kohleanteil von einem Drittel auf ein Zehntel gefallen, und Atomstrom wird in Hessen gar nicht mehr produziert. Wir erzeugen Strom immer nachhaltiger, umwelt- und klimafreundlicher. Das ist eine Voraussetzung für die Transformation unserer Produktion in eine nachhaltige Wirtschaftsweise.“ Der Minister wies darauf hin, dass 2020 ein verhältnismäßig windreiches Jahr war und sich auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie in den Zahlen widerspiegeln: „Deshalb kann man nicht erwarten, dass sich der Trend im laufenden Jahr einfach linear fortsetzt. Aber das ändert nichts daran, dass die Richtung stimmt.“

Wichtigste Quelle war auch 2020 die Windkraft, die allein 54 Prozent des erneuerbaren Stroms lieferte. 28 Anlagen wurden neu in Betrieb genommen, sechs gingen vom Netz, so dass zum Jahresende 1.143 Anlagen in Hessen Strom lieferten. „Nach dem Einbruch im Jahr 2019 hat der Zubau wieder Fahrt aufgenommen, auch wenn die Zubauzahlen vergangener Jahre noch nicht wieder erreicht wurden“, erläuterte Al-Wazir. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die neue Bundesregierung Hindernisse aus dem Weg räumen wird, so dass wir wieder an die hohen Steigerungsraten früherer Jahre anknüpfen können.“

Sehr zufrieden äußerte sich der Minister über die Entwicklung der Photovoltaik, die mit 21 Prozent auf Platz zwei des in Hessen erzeugten erneuerbaren Stroms liegt: „Der jährliche Zubau an installierter Leistung hat sich von 2016 bis 2020 von 50,4 auf 222,1 Megawatt mehr als vervierfacht. Im ersten Halbjahr 2021 hat sich der Trend mit einem Zubau von 117,6 Megawatt nochmals beschleunigt.“

Dabei geht der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter mit einer hohen Versorgungssicherheit einher. Die Zahl der Stromunterbrechungen nahm in Hessen 2020 weiter ab und lag mit 10,31 Minuten klar unter dem im internationalen Vergleich schon sehr niedrigen Bundesdurchschnitt von 12,20 Minuten. „Damit das so bleibt, müssen wir unsere Stromnetze weiter anpassen und ausbauen“, sagte Al-Wazir. „Schließlich wird der Strombedarf weiter wachsen, nicht zuletzt wegen des Übergangs zur Elektromobilität. Wie der Monitoringbericht zeigt, hat sich die Anzahl der reinen Elektro-Pkw in Hessen im letzten Jahr mehr als verdoppelt, ein Trend, der 2021 weiterging. Die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte hat bis Ende April 2021 um gut die Hälfte zugenommen.

Ein milder Winter, vor allem aber die Auswirkungen der Corona-Pandemie ließen den Endenergieverbrauch Hessens im Jahr 2020 um 16,5 Prozent absacken. Ein wesentlicher Faktor dabei war der drastische Rückgang des Flugverkehrs, der sich wegen des Frankfurter Flughafens sehr stark auf die hessische Statistik auswirkt. Aber auch der Bedarf an Wärmeenergie gab leicht nach. Gegenläufig wirkten jedoch Kurzarbeit, Homeoffice und Schließung von Restaurants, die den Energieverbrauch der privaten Haushalte geringfügig (plus 0,3 Prozent) zunehmen und damit den langfristigen Rückgang der vergangenen Jahre pausieren ließen. 2019 hatten die privaten Haushalte Hessens 16,2 Prozent weniger Energie verbraucht als im Jahr 2000. „Gleichwohl bleibt hier noch viel zu tun“, sagte Al-Wazir. „Auf unsere Gebäude entfällt ein Drittel des Endenergieverbrauchs, und davon wiederum ein Großteil auf das Heizen. Das lässt sich mit heutigen Methoden erheblich reduzieren. Energetische Modernisierung rentiert sich für die Haushaltskasse ebenso wie für das Klima.“