Zukunftscluster Proxidrugs wird gefördert

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat heute in Berlin die Sieger der ersten Runde des „Clusters4Future“-Wettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bekanntgegeben. Sieben neue regionale Innovationsnetzwerke dürfen sich von nun an Zukunftscluster nennen – darunter das Cluster ProxiDrugs unter Leitung der Goethe Universität Frankfurt.

Prof. Đikić: „Proximitäts-induzierende Wirkstoffe, kurz Proxidrugs, sind eine der vielversprechendsten neuen Arzneimittelklassen in der biomedizinischen Forschung.
© Uwe Dettmar

Hierzu erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek: „Ich freue mich über die sieben erfolgreich ausgewählten Zukunftscluster. Mit ‚Clusters4Future‘ wollen wir neue wissenschaftliche Erkenntnisse und junge Technologiefelder schnell in die wirtschaftliche Umsetzung bringen. Für mich ist entscheidend, dass wir sämtliches Potential in Deutschland für frische Ideen und vielversprechende Innovationen nutzen. Hierzu vereinen die neuen Zukunftscluster die Stärken einer ganzen Region und erschließen neue Innovationspotenziale. Damit tragen sie langfristig zu unserer technologischen Souveränität bei und sichern Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Lebensqualität. Die Zukunftscluster sind Keimzellen für neue Geschäftsmodelle, für kreativwirtschaftliche Pionierlösungen, für soziale Innovationen, aber auch für organisatorische Lösungen und neue vernetzte Innovationsstrukturen für mehr Partizipation in der ganzen Gesellschaft!"

ProxiDrugs unter den sieben Gewinnern der 1. Runde

Gerade in Krisenzeiten erweisen sich die starken Vernetzungsstrukturen der Cluster als besonders widerstandsfähig. Regionale Innovationsnetzwerke haben sich als Instrument der Forschungsförderung bewährt. Zukunftscluster sind die Innovationsregionen von morgen. Mit der nun erfolgten Auswahl der ersten sieben Zukunftscluster aus einem starken Bewerberfeld von 16 Finalisten startet die nächste Generation regionaler Innovationsnetzwerke. Im Rahmen von zwei Wettbewerbsrunden werden in die Innovationsnetzwerke mit bis zu 450 Millionen Euro von Seiten des Bundes gefördert. Die Wirtschaft wird noch einmal Gelder in ähnlicher Höhe aktivieren, sodass die Zukunftscluster mit einer Gesamtförderung von bis zu einer Milliarde Euro rechnen dürfen.

In der ersten Wettbewerbsrunde konnte sich der Zukunftscluster ProxiDrugs aus der Rhein-Main Region zusammen mit 6 weiteren Gewinnern durchsetzen. Das Cluster nutzt die Forschungserkenntnisse zu der jungen Substanzklasse der proximity- (d. h. durch Nähe) induzierenden Wirkstoffe, die den gezielten Abbau von krankheitsrelevanten Proteinen erlaubt. Somit wird die Entwicklung vieler neuer Therapieoptionen, bspw. für onkologische, entzündliche, infektiöse, kardiovaskuläre und neurodegenerative Erkrankungen, eröffnet.

Neue Wirkstoffe für Medikamente der Zukunft

Viele Krankheiten werden durch außer Kontrolle geratene oder fehlerhaft funktionierende Proteine verursacht. Etablierte Strategien der Wirkstoff-Forschung zielen daher darauf ab, Proteine zu blockieren, um beispielsweise das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen zu stoppen. Allerdings lassen sich nur 20 Prozent aller krankheitsrelevanten Proteine, die zum Beispiel bei neurodegenerativen Leiden, bei Herz-Kreislauf- und Entzündungskrankheiten sowie bei Infektionen eine Rolle spielen, durch klassische, kleine Moleküle blockieren. Die verbleibenden 80 Prozent der krankheitsrelevanten Proteine sind bislang therapeutisch nicht zugänglich.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von PROXIDRUGS wollen jetzt die Entwicklung einer neuen Wirkstoffklasse vorantrieben, die das zelleigene Verwertungssystem für Proteine einbezieht. PROXIDRUGS-Koordinator Prof. Ivan Đikić vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität erläutert: „Unser Körper besitzt ein ausgeklügeltes System, um defekte, überflüssige oder schädliche Proteine zu entsorgen. Dieses System werden wir nutzen, um krankheitsrelevante Proteine gezielt abzubauen.“ Im Stoffwechsel jeder Zelle werden ständig Proteine gebildet und wieder abgebaut. An abzubauende Proteine hängt die Zelle das kleine Protein Ubiquitin an. Dies geschieht mithilfe bestimmter Enzyme, sogenannter E3-Ligasen. Die Ubiquitin-Markierung signalisiert dem „Schredder“ der Zelle (Proteasom), dass die markierten Proteine nicht mehr gebraucht und stattdessen abgebaut und recycelt werden können. PROXIDRUGS-Forscherinnen und Forscher wollen nun Wirkstoffe entwickeln, die krankheitsrelevante Proteine in die räumliche Nähe („proximity“) solcher E3-Ligasen bringen. Damit erhalten krankheitsrelevante Proteine die Abbau-Markierung mit Ubiquitin und werden von der Zelle selbst entsorgt.

Prof. Đikić: „Proximitäts-induzierende Wirkstoffe, kurz Proxidrugs, sind eine der vielversprechendsten neuen Arzneimittelklassen in der biomedizinischen Forschung. Gemeinsam mit den Partnern aus der Industrie wollen wir diese innovativen Wirkstoffe systematisch erforschen und neuartige Arzneimittel gegen Krebs, neurodegenerative Erkrankungen sowie bakterielle und virale Infektionen entwickeln. Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, haben wir das ‚Frankfurt Center for Innovation and Technologies‘ an der Goethe-Universität als akademischen Hub etabliert, in dem alle notwendigen Technologien gebündelt werden.“

Quelle: Pressemitteilung des Bundesministerium für Bildung und Forschung, Pressemitteilung der Goethe Universität Frankfurt